Theater als Lernraum für junge Menschen

Mit dem Musical „next to normal“ hat das Künstlerensemble INNszenierung im Theatersaal der Stadt Rosenheim (Künstlerhof) ein Projekt umgesetzt, das weit über einen klassischen Theaterabend hinausging. Im Zentrum steht die Geschichte der Familie Goodman, deren Alltag zunehmend von der bipolaren Störung der Mutter geprägt wird und damit Themen wie psychische Erkrankung, familiäre Belastung und Sucht in einer Intensität berührt, die besonders für junge Menschen viele Anknüpfungspunkte bietet.

Dank der Unterstützung der Sparkassenstiftung Zukunft für die Stadt Rosenheim konnte das Projekt gezielt um einen pädagogischen Schwerpunkt erweitert werden. Ein besonderes Augenmerk lag auf den Schulaufführungen, die von insgesamt 115 Schülerinnen und Schülern besucht wurden. In dieser Form zeigte sich eindrücklich, wie Musiktheater als geschützter Raum funktionieren kann, um Erlebtes zu besprechen, Fragen zuzulassen und Perspektiven zu entwickeln.

Um Jugendlichen einen passenden Zugang zu der intensiven Thematik zu ermöglichen, wurde eine speziell konzipierte, bilinguale und gestraffte Fassung gewählt. Die zweisprachige Gestaltung schlug eine Brücke zwischen der emotionalen Unmittelbarkeit der deutschen Sprache und der ästhetischen Distanz der englischen Originaltexte.

Ein zentraler Baustein war die pädagogische Begleitung: Theaterpädagoge Jamal Braun und Adelina Heinz (Sozialpädagogin und Vorstandsmitglied) führten Workshops und Nachgespräche durch. Dabei standen nicht allein Analyse und „richtige“ Deutungen im Vordergrund, sondern ein spielerischer, lebensnaher Zugang: Wie verändert sich ein Familiensystem, wenn ein tragendes Element wegbricht? Welche Rollenbilder prägen unser Bild von Familie? Und welche Ressourcen brauchen junge Menschen, um Krisen zu bewältigen? In den Nachgesprächen bot das Musical zudem einen Anlass, um über Medikamenten- und Drogensucht zu sprechen und über den schmalen Grat zwischen Heilung und Abhängigkeit.

Das Projekt zeigt beispielhaft, wie Kulturarbeit und pädagogische Begleitung in Rosenheim zusammenwirken können: als Angebot, das Jugendlichen nicht nur Theater nahebringt, sondern auch Gesprächsfähigkeit, Verständnis und Orientierung stärkt.

„Uns war wichtig, dass diese Schulaufführungen nicht bei einem Theaterbesuch enden, sondern Raum für Austausch und Einordnung schaffen. Wenn junge Menschen Themen wie psychische Belastungen oder Sucht in einem begleiteten Rahmen besprechen können, ist das kulturell wertvoll und gesellschaftlich wichtig“, so Alexa Dietz, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Sparkassenstiftungen Zukunft.